In vielen Ländern und Regionen der Welt werden derzeit oder in naher Zukunft Systeme zum Management gefährlicher Abfälle aufgebaut. Basis ist immer eine möglichst realitätsnahe Abschätzung der anfallenden Abfallmengen und ihrer regionalen Verteilung, um nicht zu wenige Anlagen zu planen, keine Fehlinvestitionen zu tätigen und die optimalen Standorte zu finden.
Instrumente wie Begleitscheine / Transportbelege oder eine Datenerhebung bei den Entsorgern ist nicht möglich, da diese nicht oder nur sehr lückenhaft verfügbar sind. Eine Befragung der Betriebe oder Datenerhebung in den Betrieben scheidet ebenfalls aus: vor der Einführung eines Sonderabfallmanagementsystems sind den Betrieben die Arten und Mengen der bei ihnen entstehenden Abfälle oft unbekannt oder es kommt i.d.R. zu Fehlschätzungen bzw. Einbeziehung bereits über Jahre angesammelter Abfallmengen. Eine belastbare Erhebung in den Betrieben wäre viel zu aufwändig.
Sinnvoll wäre es, anhand von verfügbaren Basiszahlen wie Mitarbeiter- oder Umsatzzahlen die Abfallmengen mittels Kennzahlen abzuschätzen. Da allerdings je nach Branche Abfallartenspektrum und -mengen erheblich differieren, müssen branchenspezifische Abfallkennzahlen verwendet werden, um die wirtschaftlichen Besonderheiten jeder Region korrekt berücksichtigen zu können und belastbare Abfallmengenschätzungen zu erhalten. Diese Kennzahlen waren aber bisher nicht oder nur bruchstückhaft verfügbar.
Durch die langjährigen Projekttätigkeit bei HIMTECH und zuletzt als Freiberufler mit Zugang zu den entsprechenden Daten - z .B. Abfallmengenbilanzen Hessen (Quellen und Senken), BIVA Abfallberatungsprogramm mit 2.900 Betriebsberatungen, diverse regionale Abfallwirtschaftskonzepte in verschiedenen Ländern - ist es mir gelungen, eine Datenbank mit entsprechenden Branchenkennblättern zu entwickeln. Als Input genügt die regionale Verteilung der Beschäftigten pro Branche, wie sie in den allermeisten Regionen verfügbar ist (siehe Abb.; dort Gesamtzahl der Beschäftigten).
Output ist die regionale Verteilung der Abfallmengen pro Abfallart oder Abfallartengruppe. Die Genauigkeit kann mit plus/minus 20 % angegeben werden. Das Instrument wurde auch testweise in Ländern mit langjährig existierenden Abfallwirtschaften ausprobiert mit sehr guten Übereinstimmungen. Es liefert die regionale Mengenverteilung der Abfallarten, wie sie wäre, wenn es in diesem Land bereits eine ausreichende Entsorgungsinfrastruktur gäbe. Und genau diese Daten werden für die Planung von Entsorgungsanlagen benötigt.
Kurzfristig kann es beim Aufbau eines Abfallmanagementsystems jedoch aufgrund der teilweise über Jahren in den Betrieben angesammelten Abfallmengen, der noch nicht komplett installierten Entsorgungseinrichtungen sowie der noch nicht eingespielten Überwachung immer zu Über-/Unterauslastungen kommen.
Zusätzlich liefert die Datenbank auch Ergebnisse zu den Entsorgungswegen und Verpackungs-/Transportarten. Aus diesen Daten können Anzahl, Art, Kapazität und Lage der benötigten Behandlungszentren und Logistikeinrichtungen für gefährliche Abfälle abgeleitet werden.